Andacht für Donnerstag, 02.07.2020

 

 

 

Liebe Gemeindeglieder,

die Losung für heute steht in Psalm 8, Vers 2:

HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen.

 

Psalm 8 ist ein Schöpfungspsalm. Er besingt die Herrlichkeit Gottes, die sich überall zeigt. Sie zeigt sich in jedem Land der Erde.

Vor allem aber zeigt sie sich daran, dass Gott die ganze Welt geschaffen hat.

Weit über unsere irdische Welt hinaus reicht die Schöpfung, die Gottes Werk ist.

Mit seinen Fingern, mit der Gestaltungskraft seiner Hände, mit der weitreichenden Macht seiner Arme, hat Gott alles geschaffen. Den Mond und die Sterne hat er bereitet.

Was den Psalmbeter aber am aller meisten beeindruckt ist die besondere Stellung, die Gott uns Menschen in seinem Schöpfungswerk zugedacht hat.

Denn der Schöpfer des ganzen Universums hat uns Menschen eingesetzt, über seine Geschöpfe zu wachen. Gott macht uns zu den „Herren“ seiner Schöpfung.

Stellvertretend für Gott selbst werden wir von ihm dazu befähigt, Gottes Schöpfungswerk zu begleiten, dafür Sorge zu tragen und das gut Geschaffene zu bewahren.

Gott, der seine eigene Hoheit am Himmel zeigt, hat uns abgegeben von seiner Herrlichkeit.

Zum einen, um die universelle Herrlichkeit Gottes zu bewundern und in seinem Schöpfungswerk selbst den Schöpfer zu erkennen und zu ehren.

Zum anderen, um nun an Gottes statt selbst Herren der Schöpfung zu sein.

Haustiere und Nutztiere vertraut Gott uns an. Aber Gott verpflichtet uns auch zu einem guten Umgang mit den wilden Tieren in Wald und Feld. Auch die Vögel des Himmels werden uns „untertan“, genauso die Fische im Meer.

Eine verantwortungsvolle Aufgabe, mit der Gott uns betraut. Denn wir sind jetzt zuständig für alle Geschöpfe Gottes. Dieser Verantwortung können wir nur gerecht werden, wenn wir uns unsererseits zu verantworten wissen. Wenn uns klar ist, dass uns die Schöpfung von Gott nicht dazu überlassen wurde, um sie auszunutzen oder gar Raubbau an ihr zu betreiben, und sie damit eines Tages zu zerstören.

Denn wir sollen an Gottes statt über die Erde herrschen. Das heißt, in seinem Sinne. Gott hat seine Welt gut geschaffen. Sogar „sehr gut“, wie er am Ende des ersten Schöpfungsbericht selbst feststellt. Diese Schönheit der Schöpfung und die Güte, die Gott selbst in sie hineingelegt hat, gilt es zu bewahren.

Denn die Schönheit der Schöpfung ist ja nicht weniger als eine Einladung Gottes an uns, in ihr die Schönheit Gottes zu entdecken. Indem wir dieser Schönheit gewahr werden, erfahren wir dann auch, wer wirklich der Herr der Welt ist.

So hat die Einladung zur Bewahrung der guten Schöpfung Gottes letztlich sogar eine missionarische Dimension. Weil Menschen aus der Schönheit der ganzen Schöpfung, ja des ganzen Universums, ableiten können, dass Gott der gute Schöpfer und der gnädige Herr der Welt ist.

Auch deshalb ist es so wichtig, dass die Erde und auf ihr alle Geschöpfe bewahrt bleiben, denn aus ihrer Schönheit und aus dem sinnvollen Zusammenspiel ihrer Kräfte lässt sich zurückschließen auf Gott, unseren Herrn, der die Welt so gut geschaffen hat.

Wer also die besondere Stellung des Menschen in der Schöpfung genauso wertschätzt, wie der Beter des 8. Psalms, der wird sich auch wünschen, dass die ganze Welt in all ihrer Herrlichkeit bewahrt bleiben wird.

Das Bild aus der Kirche St. Cyriakus in Gernrode zeigt den auferweckten Herrn Jesus Christus als „Pantokrator“, als Weltenherrscher.

Denn durch die Auferweckung Jesu Christi durch Gott am Morgen des Ostersonntags hat die seitherige Schöpfung noch eine neue Komponente dazu bekommen.

Es geht jetzt nicht mehr nur um die ursprüngliche Schöpfung am Beginn der Zeit, sondern auch um die Neuschöpfung der Welt am Ende aller Tage.

Mit Jesu Auferweckung beginnt die neue Zeitrechnung. Wer an Jesus glaubt, der ist schon „eine neue Kreatur“, wie Paulus schreibt.

Alle Geschöpfe, gerade auch die, die durch menschliches Fehlverhalten, nämlich durch den Missbrauch der uns von Gott verliehenen Macht über seine Schöpfung gelitten haben, warten auf die endgültige Erlösung, die Gott uns und seiner ganzen Welt zugesagt hat.

Am „Tag des Herrn“ wird diese endgültige Erlösung ihren Abschluss finden. Dann wird „alles in allem“ sein. Dann erscheint auch unser Psalmvers von der Herrlichkeit des Herrn in seinem ewigen Glanz.

Amen.